Mineralienmesse Tokyo Mai 2011
Ein Bericht von Dona & Wayne Leicht, Laguna Beach/Kalifornien
Von den zwei Mineralienmessen, die jährlich in Tokio stattfinden, besteht eine bereits seit 23 Jahren: die „Tokyo International Mineral Fair“. Die kalifornische Firma KRISTALLE (Dona und Wayne Leicht) gehört zu den wenigen ausgewählten Händlern, die schon seit der ersten Börse dabei sind. Für MINERALIEN-Welt berichten sie exklusiv von der diesjährigen Messe und schauen auf die Situation vor Ort nach der Erdbebenkatastrophe.
Für den europäischen oder amerikanischen Geschmack mag der Ort des Geschehens auf den ersten Blick seltsam wirken: ein großes offenes Atrium zwischen zwei Wolkenkratzern im geschäftigen Stadtteil Shinjuku wird durch temporäre Wände zu einer großen Ausstellungsfläche. Eine Veranstaltung ohne viel Schnickschnack, nur Tische und ein paar Vitrinen, nichts, was an gestandene Veranstaltungen wie die „Mineralientage München“ oder Hamburg heranreicht. Trotz alledem mangelt es nicht am Enthusiasmus der Veranstalter, Aussteller und Besucher, von denen viele aus den umliegenden Geschäftsgebäuden stammen. Aus dem ganzen Land pilgern zudem Sammler und Museums-Kuratoren heran und nutzen die Show zum Einkauf und Gedankenaustausch.
Shinjuku ist bekannt als das „neue“ Zentrum Tokios, von der Aussichtsplattform des nahegelegenen Metropolitan Government Building sieht man über die ganze Stadt, und wenn man Glück hat, erhascht man sogar einen Blick auf den Fuji-Berg, Japans Wahrzeichen. Die Bahnstation von Shinjuku ist als die geschäftigste der Welt bekannt, und wenn man zufällig in die morgen- oder abendliche Stoßzeit gerät, wird man automatisch vom Strom der Pendler mitgerissen. Unweit des Bahnhofs befindet sich das Amüsierviertel Kabukicho, das mit hunderten Restaurants und Clubs für jeden Geschnmack, Pachinko Spielhöllen und Shoppingmöglichkeiten das junge Tokio anlockt. Zudem ist Tokyo das Zentrum der Automaten - und es ist fernab jeder Vorstellung, was es dort alles zu erwerben gibt ...
Das Leben geht weiter ...
Die diesjährige Ausgabe der Tokyo Mineral Fair wurde überschattet von dem unmittelbar zurückliegenden Erdbeben und der darauf folgenden nuklearen Katastrophe im März 2011. Trotz der tragischen Ereignisse entschied sich die TIMA (Tokyo International Mineral Association) unter der Leitung von Gene Ohshima und unterstützt von Akiko Morita, Kanji Jimbo und Dr. Hidemechi Hori sowie vielen anderen freiwilligen Helfern, die Veranstaltung fortzuführen. Einige europäische Händler jedoch, darunter viele Deutsche, zogen ihre Teilnahme zurück. Angeblich hätte es beim Eintreffen ihrer Rücksendungen aus Japan in Europa gründliche Inspektionen geben sollen. Eine vielleicht etwas übertriebene Reaktion - unsere Lieferung kam ohne jegliche Probleme und Beanstandung zurück in die USA.
Lieber Schweigen
Die Besucheranzahl war in diesem Jahr genau so hoch wie in den Vorjahren, wobei jedoch etwas vorsichtiger eingekauft wurde. Die Japaner machen trotzdem eine bewundernswert schnelle Erholung durch und schreiten mit der altbekannten japanischen Würde voran. Die einzigen offensichtlichen Einschränkungen sind die Energiesparmaßnahmen. Alle Geschäftsbetriebe benutzen weniger Licht oder es wird zu manchen Zeiten ganz abgeschaltet. Rolltreppen, Laufbänder und einige Aufzüge sind ebenfalls außer Betrieb. Die Tokioter Wirtschaft hat großen Schaden genommen, so waren viele uns bekannte Restaurants und Läden inzwischen geschlossen. Wir bemerkten zudem, dass die Bürger sehr zurückhaltend waren im Bezug auf Aussagen über die tragischen Ereignisse - ein typisch japanischer Charakterzug, in der Trauer lieber zu schweigen.
Eingeschränkter Service
KRISTALLE hat für viele Jahre seinen Platz mit dem „Black Hills Institute“ geteilt, als dieses noch im Fossiliengeschäft tätig war, nun aber schon seit einigen Jahren nicht mehr teilnimmt.
Der zugeteilte Platz ist für jeden Händler relativ klein, es ist also ratsam, sich mit seinen Nachbarn, Tisch an Tisch, anzufreunden. Die TIMA-Börse bietet wenig Annehmlichkeiten: weder Gastronomie, noch Toiletten, Bänke oder Mülleimer werden gestellt. Trotzdem handelt es sich um eine hochinteressante Messe und ein Besuch lohnt definitiv. Die umliegenden Gebäude offerieren zum Glück eine Vielzahl von Restaurants und Geschäften zur Befriedigung alltäglicher Wünsche. Das Hyatt Hotel, das unmittelbar an den Veranstaltungsort angrenzt, dient sozusagen als Gastgeber-Hotel für die meisten Händler, ist es doch recht praktisch, für eine kleine Pause jederzeit auf sein Zimmer zurückkehren zu können. Bei bestem Ambiente und Service waren die Preise schon immer sehr hoch und sind in den letzten Jahren weiter gestiegen; die meisten Hotels in der Nachbarschaft liegen zwischen 110 und 300 US $ pro Nacht - im Hyatt sind es trotz Spezialpreis für Teilnehmer rund 250 $. Man kann natürlich auch, wie viele Einheimische, eines der sogenannten Kapsel-Hotels buchen - ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis ...
Rund 100 Aussteller
Von den etwa 100 Ausstellern auf der „Tokyo Mineral Fair“ kommen überraschenderweise viele von weit her, darunter aus Brasilien, Australien, Europa und den USA. Englisch wird von fast allen jungen Japanern gesprochen, so dass es selten Verständigungsprobleme gibt oder man gar „Lost in Translation“ ist.
Die Japaner sind unvergleichlich höflich, aufrichtig und stets freundlich und bereit zu helfen, Diebstahl ist ein kaum ernstzunehmendes Problem im Land. Trotz des westlichen Einflusses sieht man teilweise doch noch traditionell gekleidete, meist ältere Menschen im Stadtbild. Sehr präsent auf der Börse sind Fossilien und großer Beliebtheit erfreuen sich eher kleinere und vor allem farbige Mineralien. Daneben werden aber auch alle anderen Mineralien sowie Schmuck, Edelsteine, Meteoriten und Jade angeboten. In der Vergangenheit hat die TIMA-Gruppe stets Sonderschauen in der Lobby des angrenzenden Daiichi-Seimi-Gebäudes gezeigt, was in diesem Jahr aus gegebenem Anlass jedoch ausfiel, hoffentlich jedoch bald zurückkehrt. Ein Ausstellungskatalog wird ebenfalls jedes Jahr herausgegeben, bisher leider nur in japanischer Sprache.
Alles in allem liefen die Geschäfte gut und, in Anbetracht der jüngsten Ereignisse, besser als erwartet - vor allem dank einer Vielzahl meist weiblicher Neukunden, die sich schöne Stufen zulegten. Das meist nachgefragte Objekt an unserem Stand war in diesem Jahr das Goldnugget, wohingegen Sammler von Spitzen-Stufen in Japan in den letzten Jahren eher rar geworden sind, obwohl wir uns an viele Verkäufe zu außergewöhnlich hohen Preisen in den ersten Jahren erinnern.
Das Messe-Team investiert endlose Stunden in die Organisation der Ausstellung, zudem sorgez es für eine wirklich gute lokale Werbung. Wir möchten jeden ermutigen, sich die „Tokyo International Mineral Fair“ einmal aus der Nähe anzuschauen, um sowohl einen Einblick in die japanische Mineralienszene zu erhalten als auch dies mit einem Besuch der faszinierenden Metropole Tokio zu verbinden. Die Messe findet 2012 wieder im Mai statt. Info: www.kristalle.com |
Schweizer Riesenkristalle - der Schatz vom Planggenstock
Schon seit Mitte Mai können die Besucher im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern, Schweiz, ein Wunder der Natur hautnah erleben. Die spektakulären Kristalle vom Planggenstock - für die eigens eine Ausstellung gebaut wurde - sind nun für die Öffentlichkeit zugänglich. Im zentralen Teil der neuen Ausstellung, der „Schatzkammer“, sind die rund 50 Kristalle des Fundes von 2005/06 am Planggenstock ausgestellt. Die Riesenkristalle haben nach ihrem Fund weltweit Berühmtheit erreicht und gelten in punkto Klarheit, Glanz und Größe als einmalig. Im dunklen Ausstellungsraum werden sie mit spezieller Beleuchtung wirkungsvoll in Szene gesetzt.
Die neue Dauerausstellung nimmt eine Fläche von rund 200 m2 ein. Sie zeigt nicht nur einen der bedeutendsten Bergkristallfunde der letzten 300 Jahre, sondern vermittelt anschaulich und unterhaltsam von der Schneeflocke bis zum Kristallzucker allerhand Wissenswertes rund ums Thema Kristall, gibt einen Einblick in eine kleine Kluft und zeigt den eindrucksvollen Dokumentarfilm „Hüter der Erde“. Er begleitet die beiden Strahler Franz von Arx und Paul von Känel beim Abbau der ausgestellten Stücke, bei der schwierigen Bergung und dem Transport ins Tal.
Infos: Naturhistorisches Museum Bern, Bernastraße 15, 3005 Bern. Öffnungszeiten: Montags 14-17, dienstags, donnerstags, freitags 9-17, mittwochs 9-18, samstags/sonntags 10-17 Uhr. Infos: +41-31-3507111, E-Mail contact@nmbe.ch, www.nmbe.ch. |
Neue Sonderschau in der Universität Hannover
Im Mineralogischen Institut der Leibnitz-Universität Hannover wurde in der ersten und zweiten Etage in sieben modernen Vitrinen eine neue, ansprechende Ausstellung von Mineralien eingerichtet. In enger Zusammenarbeit mit der Institutsleitung präsentieren die Sammler Karl Klänhardt und Dr. Dietrich Schröder aus Garbsen mit der Unterstützung
einiger Sammler aus der VFMG-Bezirksgruppe Hannover ihre Exponate (vorwiegend Eigenfunde) als Leihgaben. Jeweils in Einzelvitrinen werden einige wirtschaftlich bedeutende Mineralienvorkommen in Niedersachsen, die Stein- und Kalisalze, der umfangreiche Kalkstein- und Gips/Anhydrit-Abbau, Farb- und Formvariationen bei Baryt und Fluorit, interessante Zeolithe und die seinerzeit reichen sulfidischen Harzer Buntmetallerze vorgestellt.
Ein Prunkstück der Ausstellung ist sicherlich ein in Matrix sitzender würfeliger Halit-Kristall von knapp 10 cm Kantenlänge mit zonarer Blaufärbung aus dem Kaliwerk Siegmundshall bei Bokeloh. Dazu ist im Begleittext zu lesen: „Halit ist ein Ionenkristall mit kubisch flächenzentriertem Gitter. Durch energiereiche Strahlung (z.B Radioaktivität von 40K) entstehen Gitterdefekte: einige Chlorid-Anionen verlassen die Gitterplätze, wobei an den Leerstellen jeweils ein überschüssiges Elektron verbleibt. Die Elektronen haben in dieser Position besondere Eigenschaften, die Absorptionseigenschaften von Licht werden dadurch charakteristisch verändert. Beim NaCl resultiert eine Absorptionsbande bei einer Wellenlänge von 465 nm (F-Zentrum) - der Kristall erscheint blau verfärbt.“
Für Studenten und Besucher sind die ausgestellten, vorwiegend einheimischen Mineralien eine praxisbezogene, nützliche Ergänzung zu den fachspezifischen Lehrplänen und werden entsprechend beachtet. Die Ausstellung kann wochentags von 9 - 16 Uhr besichtigt werden. Besuchergruppen sollten sich im Sekretariat des Institutes anmelden. Steffen Jahn
Infos: Kontakt/Anmeldung: Kristin Kortlang, Institut f. Mineralogie, Leibnitz-Universität Hannover, Callinstr. 3, 30167 Hannover. Tel. 0511-762222. Mail k.kortlang@mineralogie.uni-hannover.de, www.mineralogie.uni-hannover.de. |
Kristallwelt Dietingen
Ende März öffnete am Ortseingang von Dietingen ein neues Mineralien- und Fossilienmuseum - die „Kristallwelt“. Die Besitzer Alexander und Birgit Müller haben nach fast zweijähriger Planungs- und Bauzeit ein in Süddeutschland einmaliges, architektonisch hochwertiges Museums- und Ausstellungsgebäude geschaffen. Die Hauptattraktion in dem beeindruckenden und großzügig konzipierten Museum ist die wohl weltgrößte Amethyst-Druse, ein über 4 m hoher und 100 Millionen Jahre alter, mit Amethyst-Kristallen bewachsener vulkanischer Hohlraum. Die 3½ Tonnen schwere Druse wurde von acht Männern im Verlaufe von zehn Monaten in einem Steinbruch in Uruguay aus mehreren hundert Metern Tiefe geborgen.
Weitere Highlights, die im Museum bestaunt werden können, sind ein 220 Millionen Jahre alter „Versteinerter Wald“ mit Originalstämmen aus dem Gebiet des Nationalparks „Petrified Forest“ in Arizona/USA, 35 Millionen Jahre alte Laubbäume aus Indonesien, viele einzigartige versteinerte Saurierskelette, weitere große Fossilien sowie beeindruckende, bis über 3.000 kg schwere Riesenkristalle aus aller Welt. In einem von Alexander Müller auf seinen zahlreichen Reisen in die Fundgebiete Südbrasiliens gedrehten Dokumentarfilm erfahren die Besucher vieles über Land und Leute, die Bergwerke, den Abbau sowie über die Verarbeitung der Mineralien und Kristalle. In einem Vortragsraum werden das ganze Jahr unterschiedliche Vorträge über verschiedene Themen aus dem Bereich der Mineralien und Fossilien sowie der Steinheilkunde angeboten.
Ganz nach dem Museums-Moto „Naturwunder entdecken, Vergangenheit erforschen, Zeitgeschichte erleben und Erlebnisse mitnehmen“ können Eindrücke von Naturwundern aus der ganzen Welt gewonnen und im Museumsshop auch erworben werden. Der 100 m2 große Shop-Bereich bietet ein vielfältiges Angebot an Mineralien, Fossilien und Steinschmuck sowie hochwertige Geschenkartikel und exklusives Wohninterieur.
www.kristallwelt-dietingen.de.
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